Volles Haus bei Frankreich-Diskussion der SPD Pasing

SPD Pasing
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APR

„Ich will mithelfen, das Friedensprojekt Europa zu sichern“ nennen viele Neumitglieder der SPD als Grund für ihren Parteieintritt. Entsprechend voll war es Donnerstag, dem 6. April 2017, bei der Diskussionsveranstaltung „Liberté, Fraternité, Egalité – was geschieht nach den Wahlen in Frankreich?“ der Pasinger SPD im Bürgerbüro an der Alten Allee. Neben zahlreichen Neu- und Altmitgliedern kamen auch viele interessierte Bürgerinnen und Bürger um den Einschätzungen der beiden Referenten Myriam el Bettah, Vorsitzende der französischen Sozialisten in München und dem freien Journalisten Jean-Marie Magro zuzuhören.

„Die Chance, dass Marine Le Pen Präsidentin in diesem Jahr wird, sind real. Auch wenn die Umfragen eine klare Niederlage in der Stichwahl voraussagen, darf man sich nicht täuschen lassen. Immer mehr Franzosen sind gegenüber der Politik verbittert und sehen die Lösung ihrer Probleme in eine Rückbesinnung auf Nationalismus. Viele französische Jugendliche sind frustriert. 80 Prozent von ihnen haben Abitur, doch jeder Vierte, der unter 25 Jahre alt ist, hat keine Arbeit. Sie quälen sich von einem Zeitvertrag in den nächsten. Viele von ihnen sagen sich: Wir haben die Konservativen ausprobiert, dann die Sozialisten, warum also auch nicht den Front National?“ befürchtete Magro in seinem Statement. Myriam el Bettah ergänzte: „Viele Franzosen sind unschlüssig, ihre Entscheidung betreffend. Für die Kandidaten der beiden größten Parteien, nämlich PS und LR, ist es schwierig sich glaubwürdig zu präsentieren. Hamon ist ein guter Kandidat, er ist aktiv, jung, hat viele neue Ideen, und könnte tatsächlich diese Wende repräsentieren. Aber die Enttäuschung nach fünf Jahren Hollande ist so groß, dass viele Leute einfach nichts mehr von der PS hören wollen.“

Dennoch waren beiden Referenten zuversichtlich: „Zum Glück gibt es zwei Wahlgänge und ich habe immer noch eine Hoffnung, dass der „pacte républicain“ noch funktionieren wird, so dass Le Pen nicht gewinnen kann“, meinte el Bettah. Eine Hoffnung, die auch der Journalist Magro teilt: „Die Parteienlandschaft in Frankreich wird nach dieser Wahl zwar nicht mehr die gleiche sein. Die Sozialisten werden mit großer Wahrscheinlichkeit marginalisiert. Doch wahrscheinlich wird auch der republikanische Kandidat Fillon nicht in die Stichwahl einziehen. Gerade Emmanuel Macron mit seiner Bewegung „En Marche!“ könnte das politische System und den Diskurs revolutionieren.“

Und so drehte sich auch die anschließende Diskussion um die verschiedenen Kandidaten und mögliche Auswirkungen auf die Europäische Union. Die Meinung vieler Anwesender fasste der SPD-Bundestagskandidat für den Münchener Westen, Dr. Bernhard Goodwin zusammen: „Ich freue mich, dass der proeuropäische Politiker Macron die besten Chancen hat nächster Präsident zu werden. Gemeinsam mit Martin Schulz kann er dann ein starker Motor für ein solidarisches Europa werden.“

(Myriam el Bettah, Vorsitzende der französischen Sozialisten in München und der freie Journalist Jean-Marie Magro)