Rote Fahnen auf dem Bahnhofsplatz

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SEP

„Ja, was ist denn da los?“, fragt eine Pasingerin, bleibt stehen und applaudiert. Rote Fahnen wehten am vergangenen Freitag über den Pasinger Bahnhofsplatz, als der SPD Ortsverein Pasing zusammen mit dem Landtagsabgeordneten Florian Ritter und Bezirksrätin Katja Weitzel zur Kundgebung aufgerufen hatten. „Hoch der 8-Stunden-Tag“ lautete die Forderung, die schon vor über 100 Jahren von den Genossinnen und Genossen in Goldbuchstaben auf ein rotes Leintuch gemalt wurden, die Traditionsfahne der Pasinger Sozialdemokraten. Eine Forderung die heute wieder aktuell geworden ist, denn wer hat heute noch einen Acht-Stunden-Tag?

Davon weiß auch die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Jugendorganisation Jusos, Lena Odell: „Als Mutter, die in einer Führungsposition arbeitet, kann ich ein Lied von den Herausforderungen singen, die es bedeutet, Familie und Beruf so zu vereinbaren, dass niemand zu kurz kommt. Wir müssen uns endlich vom 50er-Jahre-Familienbild der CSU verabschieden, in dem der Vater das Geld heimbringt, während die Mutter den Schweinebraten auf den Tisch stellt.“ Deshalb fordert sie, die Chancen der Digitalisierung zu nutzen und mehr Flexibilisierung in der Arbeitszeit zu ermöglichen.

Der Landtagsabgeordnete Florian Ritter ergänzt dazu: „Mehr Flexibilisierung darf aber nicht heißen, dass wir einen 12-Studen-Tag ermöglichen sollen, so wie es dem CSU-Wirtschaftminister gefällt. Ich fordere deshalb, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in jeder Lebensphase selbst bestimmen können, wann und wie lange sie arbeiten. Eine echte Flexibilität bedeutet, nicht immer längere und oft unbezahlte Arbeitszeiten, sondern eine 30-Stunden-Woche bei Einkommenssicherung, flexibel und selbst gestaltet!“

Diese Position teilt auch Bezirksrätin Katja Weitzel: „Wir brauchen eine Umkehr bei der Arbeitszeit. Wir arbeiten immer schneller und müssen flexibler sein. Aber gute Arbeit ist ein Teil des Lebens, sie macht das Leben nicht zu einem Teil der Arbeit!“

Der Bundestagsabgeordnete Florian Post, der extra zur Kundgebung aus Berlin angereist ist, verweist dabei auf eine aktuelle Studie: „Für fast drei Viertel der Eltern ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine der wichtigsten politischen Aufgaben der Zukunft. Die SPD hat deswegen in der neuen Regierung eine Möglichkeit geschaffen, in bestimmten Lebenssituationen vorübergehend die Arbeitszeit zu reduzieren. Gleichzeitig haben wir mit der neuen Brückenteilzeit mehr Sicherheit geschaffen, denn Teilzeit darf nicht zur Falle werden.“

Auch Heinrich Birner, Chef der Gewerkschaft ver.di in München, ist es wichtig, dass Flexibilität keine Mogelpackung sein darf. „Die Digitalisierung bietet die Chance, das Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mehr Selbstbestimmung bei der Arbeitszeit erhalten. Sie können ihre Arbeitszeit reduzieren, wenn Kinder kommen, oder im Alter. Sie können die Arbeitszeit aber auch erhöhen, wenn die Familie mehr Geld z.B. für Anschaffungen braucht, oder bestimmte Projekte es erfordern. Sie können einzelne Tag, z.B. zum Schulanfang freinehmen, oder auch mal länger für eine Weltreise freinehmen. Wir Gewerkschaften werden darauf achten, dass nicht nur Unternehmen von einer solchen Flexibilisierung profitieren. Blicken wir nicht nur 100 Jahre zurück in die Vergangenheit! Blicken wir in die Zukunft und machen das zu unserem ‚Pasinger Programm‘“.