Jusos im Münchner Westen wollen Bismarck in neuen Kontext setzen

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JUL

Die kritische Auseinandersetzung mit Denkmälern im öffentlichen Raum hat in den vergangenen Wochen neue Aktualität gewonnen, so auch in Pasing, wo ein Reiterstandbild Otto von Bismarcks als Brunnenfigur auf dem Wensauerplatz steht.

Wenige Monate vor Ausbruch des 1. Weltkrieges enthüllten deutschnationale Bürger*Innen in Pasing den Bismarckbrunnen, versehen mit der Inschrift „In trinitate robur“, in der Dreieinigkeit liegt die Kraft. Damit wurde auf die Gründung des deutschen Kaiserreiches unter Führung Preußens als Folge des Krieges mit Frankreich 1870/71 Bezug genommen. Anders als damals, kann die Figur Otto von Bismarcks heute jedoch nicht mehr so unkritisch betrachtet werden: auch die Verfolgung von Sozialist*Innen, Katholik*Innen und der Beginn des deutschen Kolonialismus sind mit Bismarcks Namen eng verknüpft.

Die Jusos im Münchner Westen machten darauf mit einer Aktion am vergangenen Samstag, 25. Juli 2020, aufmerksam und forderten, das Denkmal in einen neuen Kontext zu stellen. „Denkmäler dienen der Erinnerung an historische Ereignisse, deren Bewertung sich mit der Zeit ändern kann“, so Onat Cibooglu, Sprecher der Pasinger Jusos im Regionalverband West. „Historische Personen und Ereignisse müssen in einer demokratischen Gesellschaft in einem demokratischen Bezug stehen“, so der 20-jährige Student der Wirtschaftswissenschaften an der LMU weiter.

Die Jusos fordern daher die Kommunalpolitiker*Innen im Bezirksausschuß Pasing-Obermenzing und im Münchner Stadtrat auf, sich mit der Figur Bismarcks kritisch auseinanderzusetzen und das Brunnendenkmal, z.B. durch eine erläuternde Tafel, eine per QR-Code abrufbare Audiodatei oder eine künstlerische Umgestaltung des Brunnenumfelds in einen neuen, erweiterten historischen Kontext zu stellen. Diese Auseinandersetzung soll in einem offenen Dialog mit den Bürger*Innen stattfinden, zu dem die Jusos mit ihrer geplanten Aktion einladen.

Mit einem Vorschlag konnten die Jusos bei ihrer Aktion dabei bereits aufwarten: sie kontrastierten die reaktionäre und kriegsverherrlichende Brunneninschrift der „Dreieinigkeit“ mit den drei sozialdemokratischen Grundwerten „Freiheit, Gleichheit und Solidarität“ und kamen mit #BlackLivesMatter Aktivist*innen ins Gespräch.