Geschichte

Pasing, regionales Zentrum des Würmtals zwischen Gauting und Allach, war bei der Zwangseingemeindung 1938 die viertgrößte Stadt in Oberbayern. Pasing bildet seit dem 1. September 1992 zusammen mit Obermenzing den 21. Stadtbezirk der Landeshauptstadt München. Etwa 26 000 Menschen leben heute im Gebiet der ehemaligen Gemeinde Obermenzing und etwa 39 000 im Gebiet von Pasing.

Archäologische Funde zeigen, dass der Raum Pasing seit der Steinzeit durchgehend besiedelt ist. Am 29. Juni 763 wird Pasing erstmals in den Freisinger Traditionen erwähnt, also lange bevor München entstand. Dies erlaubt uns 2013 ein Jubiläum „1250 Jahre Pasing”, auch wenn der Ort wahrscheinlich schon im 6. Jahrhundert entstand. Der Name bedeutet „bei Paso und seinen Leuten”. Vom 8. Jahrhundert bis zur Säkularisation 1803 ist das Hochstift Freising als wichtiger Grundherr in Pasing bezeugt. Seit der Gründung des Marktes München 1158 und der Verlegung der Salzstraße hierher ist Pasing dann der Kreuzungspunkt von dieser mit der Altstraße entlang der Würm.

Vogelschaubild von Pasing des Hauptstaatsarchivs München
Vogelschaubild von Pasing des Hauptstaatsarchivs München

Vom 8. Jahrhundert bis 1881 gehörte die katholische Kirchengemeinde Pasing zur Pfarrei St. Quirin in Aubing. Erst seitdem ist Pasing eine eigenständige Pfarrei.
Eine protestantische Kirchengemeinde besteht in Pasing erst seit 1901, die erste protestantische Kirche Christi Himmelfahrt wurde 1904 errichtet. 1900 lebten in Pasing 735 Protestanten neben 6 260 Katholiken, 26 Juden und 63 Andersgläubigen. In Pasing erinnert die von Laim kommende Agnes-Bernauer-Straße an die Baderstochter Agnes Bernauer, Gemahlin von Herzog Albrecht III. dem Frommen. Beide leben zeitweilig in nicht „standesgemäßer” Ehe auf der Blutenburg. 1435 ließ der Schwiegervater Herzog Ernst die Bernauerin entführen und bei Straubing in der Donau ertränken. Neben den bayerischen Herrschern und deren Beamten waren hauptsächlich Patrizier aus München für Pasing wichtig. Die Zeiten waren vielfach geprägt durch Kriege, Seuchen und Hungersnöte. 1596 wurde Pasing „geschlossene Hofmark”, das heißt Rechtsbezirk eines Adeligen, der hier Herrschaft und niedere Gerichtsbarkeit ausübte.

Im 17. Jahrhundert erwarb der kurfürstliche geheime Rat Anton von Berchem die Pasinger Hofmark. Dieser stammte mütterlicherseits aus dem Geschlecht der gräflichen Raubritter aus Manderscheid in der Eifel. Er war nach München aus dem Rheinland zugezogen, wirkte hier unter anderem als Notar und war einer der reichsten Männer des Kurfürstentums. Er war Herr der Hofmarken Pasing und Obermenzing sowie zahlreicher anderer Liegenschaften in der Region. Er ließ die Pasinger Schlossburg renovieren, deren Kellergewölbe auf der Schlossinsel erhalten ist und im Klostergarten der Englischen Fräulein noch heute besichtigt werden kann.

Viktualienmarkt (Foto: Dr. Peter Knoch)
Viktualienmarkt (Foto: Dr. Peter Knoch)

1752 zählte der Ort 67 Häuser mit etwa 300 Einwohnern und war damit eines der größten Dörfer im Raum München. Die Einwohnerzahl stieg dann im 19. Jahrhundert, bedingt durch den Eisenbahnbau seit 1839 und die Industrialisierung stark an. Pasing war seit 1854, dem Baujahr des ersten königlichen Bahnhofs durch Friedrich Bürklein, stark von der Eisenbahn geprägt. Der erste große Betrieb war die 1843 vom Schlossherrn von Pasing an der Würm errichtete Papierfabrik, in der dann wichtige Papierprodukte des Königreichs entstanden; so auch der „Schwarze Einser”, die erste Briefmarke der Welt. Seit der Zeit um 1900 entstehen größere Betriebe der Lederindustrie, wie die Schuhfabriken Regensteiner sowie Heymann. Später gab es hier auch Automobilindustrie: Walter Schuricht, konstruierte und baute in der Bodenseestraße 1921, fünf Jahre vor der Gründung von Daimler-Benz, sein erstes Automobil.

1904 hatte Pasing bereits 7 090 Einwohner und wurde 1905 zur Stadt erhoben. Stimmberechtigt waren damals aber nur 228 Gemeindebürger (Männer, die Grundsteuern bezahlten und somit das Bürgerrecht besaßen). Erst die demokratische Revolution 1918 brachte im Deutschen Reich und im Freistaat Bayern den Frauen das Stimmrecht.

Um die Jahrhundertwende nahm Pasing zunehmend urbanen Charakter an. Mit den kultivierten bürgerlichen Villenkolonien August Exters sowie durch die von der Arbeiterbewegung initiierten Genossenschaftsbauten wurden in Pasing Maßstäbe im Wohnungsbau gesetzt. Auch auf künstlerischem Gebiet kann sich Pasing im internationalen Vergleich sehen lassen. Der berühmte Maler Franz Marc verlebte hier seine ersten Jugendjahre. Der Architekt, Designer und Maler Richard Riemerschmid, wichtiger Repräsentant des Münchner Jugendstils, baute seine Villa in der Lützowstraße 11. Eine Schülerin Riemerschmids, die aus Pasing stammende Gunta Stölzl, trug zum Weltruhm des Bauhauses Dessau unter Walter Gropius bei.
Bekannte Bildhauer aus Pasing waren Joseph Floßmann und Hans Osel, deren Werke den Ort schmücken, sowie Julius vom Zumbusch.

Die Blutenburg
Die Blutenburg

Der Würmtalbote im Verlag Otto Dischner wurde seit 1880 in Pasing verlegt, dessen Verlagsgebäude heute noch in der Gleichmannstraße erhalten ist. Die erste PASINGER ZEITUNG des Herausgebers Wilhelm Heinrich Frank erschien am 2. April 1893. Noch vor Einführung einer elektrischen Straßenbeleuchtung in München waren Pasings Straßen elektrisch beleuchtet. Die Münchner Trambahn erreichte 1908 Pasing. Die Stadtentwicklung Pasings wurde mit Hilfe des weit über München hinaus bekannten Städtebauers und Architekten Professor Theodor Fischer sowie eines Generalbaulinienplans der Unternehmer Heilmann und Littmann gesteuert.
Hier wirkte von 1908 bis zu ihrer Emigration 1938 auch die Familie Emil und Emmy Neuburger. Sie waren Besitzer des Pasinger Kaufhauses mit den Filialen am Bahnhofsplatz und in der Planegger Straße. Sie boten eine sozial gestaltete Preis- und Rabattpolitik und waren aktiv in der Kommunalpolitik tätig.

Obwohl die Nazis bei demokratischen Wahlen in Pasing nie die Mehrheit errangen und bei den letzten Wahlen vor 1933 lediglich 2 Stadtratssitze hatten, bestimmten sie zwölf bittere Jahre die Politik. Der Pasinger Oberbürgermeister Dr. Alois Wunder (1878-1974, [Ober]bürgermeister 1907 – 1938), Fördermitglied der SS seit 1935 und NSDAP-Mitglied seit 1937 rief bereits 1933 zum Judenboykott auf. Die Selbstständigkeit der Stadt Pasing endete 1938 mit der zwangsweisen Eingemeindung in die „Hauptstadt der Bewegung”.

Wappen Pasings
Wappen Pasings

Nach der Befreiung 1945 und der Beseitigung der Kriegsschäden setzte auch in Pasing der Aufschwung ein. Heute zeugen die neuen städtebaulichen Maßnahmen von notwendiger Nachhaltigkeit; so etwa die Konzentration großer verkehrsauslösender Dienstleistungen und Verkaufsflächen am Schnittpunkt des öffentlichen Personennahverkehrs rund um den Pasinger Bahnhof mit Anschluss an den ICE. Auch die geplante Koppelung der Rohrleitungen des vorhandenen städtischen Fernwärmenetzes mit dem Erdwärmekraftwerk in Freiham ist nicht nur aktuelles Baustellen-Ärgernis in den Pasinger Straßen, sondern sichtbares Zeichen auf dem Weg in eine regenerative, umweltfreundliche und soziale Zukunft.

In den letzten Jahren wurde die Archiv- und Forschungstätigkeit zu Pasing intensiviert. Zu nennen sind hier insbesondere das Stadtarchiv der Landeshauptstadt München, das Pasinger Archiv (Helmut Ebert und Thomas Hasselwander), die Geschichtswerkstatt Pasing sowie die Geschichtswerkstatt jüdisches Leben im Münchner Westen. Grundlegend für das ortshistorische Bewusstsein über Pasing ist „Pasing in Geschichte und Gegenwart” von Franz Schaehle (1921) und das Stadtteilbuch PASING von Renate Mayer-Zaky und Reinhard Bauer (1996) sowie die Bildbände PASING von Richard und Gerhard Bauer (1986) und Bernhard Möllmann (2002, 2004).

Dr. Peter Knoch